11/12/2002
Canaima
Gestern haben wir unsere Küstenresidenz aufgegeben und uns erneut auf die Reise begeben. Wie schon auf dem Hinweg, führt der einzige Weg von Puerto Colombia weg durch die Nebelberge von Maracay. Der Busfahrer scheint die Strecke blind fahren zu können. Leider war es diesmal kaum neblig. Auf der Hinfahrt konnte man kaum bis zur nächsten Kurve der Bergstrecke gucken.
Da Venezuela vollständig auf Eisenbahnen verzichtet hat, um sich ganz dem Auto zu verschreiben, sind die Busbahnhöfe entsprechend gut organisiert. In Maracay konnten wir problemlos die Fahrt nach Ciudad Bolivar fortsetzen. Das einzige Problem scheinen die immer kleiner werdenden Benzinreserven zu sein. Die Tankstellen werden von der Polizei bewacht und die Schlangen sind unüberschaubar.
An Benzin schien es unserem Bus nicht zu mangeln, da ein Großteil der Energie in die Klimaanlage gesteckt wurde, die durchaus in der Lage war auch den dunklen Teint der einheimischen in schillerndes Blau zu verwandeln. Knapp dem Kältetod entgangen haben wir Ciudad Bolivar erreicht und uns zur Posada de la Casita begeben. Außerhalb der Stadt gelegen mutet es eher an wie ein kleiner Safari-Park: Die Umgebung ist sehr sawannig und wir haben mehr Tiere im Garten als die Kölner im Zoo: U.a. Papageien, Kolibris, Tukane, Schildkröten, Affen und eine Armee von Ameisen und Mücken.
Übermorgen werden wir für drei Tage eine Tour zu den Angel Falls, dem höchsten Wasserfall der Erde, unternehmen. Heute (am 12.) haben wir kurz die Gelegenheit, uns Ciudad Bolivar anzugucken. Die Stadt ist sehr belebt und bietet einen tollen Blick auf den Orinico, der sogar hier schon eine beachtliche Weite erreicht.
13/12/2002
Wir konnten einen einstündigen Flug in einem winzigen Flugzeug (Pilot plus 3 Personen) von Ciudad Bolivar aus nach Canaima genießen. Von oben sieht der Urwald aus wie eine Lage Broccoli.
Anschließend haben wir eine zweitägige Bootstour zu den Angel Falls gemacht. Die Übernachtungsmöglichkeiten beschränkten sich auf Hängematten, was einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist. Danach haben wir noch einen Tag in der Lagune von Canaima verbracht. Dort sieht es aus wie in einer Filmkulisse. Das von den Gerbstoffen der Wälder Cola-braun gefärbte Wasser stürzt sich aus drei breiten Wasserfällen in das Becken der Lagune; sehr malerisch!