Unser Fahrer war auf die Minute pünktlich und wir waren auch alleine im Auto. Das war ganz gut so, denn mit vier Leuten wäre es auch in dem Minivan eng geworden. Die Fahrt nach Tentena hat an die elf Stunden gedauert, auch wenn es keine 400km entfernt liegt. Von einem etwas belebterem, langweiligen Stück im Flachland abgesehen, ging es nur durch üppigen Dschungel. Die Landschaft ist durchweg bergig. So weit das Auge reicht überzieht ein undurchdringliches Grün die Berge und Täler.
Auf den Serpentinen hat der Fahrer alles gegeben und in einer endlosen Baustelle, wo die Fahrbahn erneuert wurde, ungeahnte Überholtechniken vorgeführt. Dieselbe Baustelle hat uns zu einer fast einstündigen Pause mitten im nirgendwo gezwungen, weil die Straße jeden Tag zwei mal wegen der Bauarbeiten gesperrt wird. Mittlerweile gibt es dort einfache Bretterbuden, um mit den im Stau Wartenden ein wenig Geschäft zu machen. Wenn man das richtig taktet, kommt man so „schnell" an wie wir. Die Fahrt mit dem Bus dauert gerne mal sechs Stunden länger.
Der Fahrer hat die Pause genutzt um sein von der Fahrt dreckiges Auto zu waschen - mit Benzin. Das hat ihm einige Zuschauer beschert, die darüber fachsimpelten - und lachten. Statt weiß mit ein paar braunen Spritzern, war das Auto danach schmierig gelb und alles hat gestunken. Leider hat ihn das schlechte Ergebnis nicht davon abgehalten, die Prozedur auf der anderen Seite zu wiederholen. Doch die Götter waren gnädig und haben später einen heftigen Regen geschickt.
Tentena ist ein kleiner Ort, wo sich zwei Landstraßen treffen. Es gibt eine aufwendige Fußgängerbrücke über den Fluss und ansonsten eigentlich nichts. Unsere Unterkunft Amadeo Guesthouse lag zwar an der Hauptstraße, aber die einfachen, gut gebauten Zimmer lagen hintenraus und waren erstaunlich ruhig, sogar mit eigenem Bad. Der Besitzer sah aus wie Higgins von Magnum und hatte uns im Vorfeld schon via WhatsApp dabei geholfen die Transporte nach Tentena und weiter zu organisieren. Überhaupt war WhatsApp das wichtigste Werkzeug für die Reiseorganisation. Die Guesthouse-Kontakte waren oft die einzige Möglichkeit, aktuelle Informationen zu bekommen.
23/08/2024
Tentena selbst war nicht der Rede wert. In der Nähe gab es einen schönen Wasserfall. Wir haben uns im Guesthouse wieder einen Scooter geliehen und sind durch einen Schlaglochparkur dorthin gefahren. Der Weg hat sich gelohnt. Man muss ein paar hundert Meter auf angelegten Wegen durch einen schönen Wald spazieren, dann kommt unvermittelt ein malerischer Katarakt über mehrere große Stufen herunter.
Im Wald gab es auch Tarsire, winzige lemurenartige Äffchen. Bei einer köstlichen Avocado (die man hier mit Zucker ist) als Mittagssnack haben wir uns mit einem Guide für eine Nachtwanderung verabredet, um die kleinen Viecher zu sehen.
Der Lake Poso ist ziemlich groß. Man kann das andere Ufer nicht sehen, und es gibt sogar Sandstrände. Mit ein paar Wellen vom Wind war die Meer-Illusion perfekt. Die Strände sollten große Touristenattraktionen sein. Tatsächlich gab es eine Menge Buden und Picknick-Hütten und jede Menge einfach Imbisse. Allerdings war außer uns niemand da - auch in den Buden nicht. Nur einer muss irgendwo gesteckt haben, der hat super laut Musik angemacht.
In der Dämmerung sind wir die Schlaglochpiste nochmal gefahren. Beim dritten Mal kriegt man Übung. Unser Guide hat uns mit Taschenlampen über Trampelpfade durch den Dschungel geführt. Gleich am Anfang konnten wir ein Sekündchen lang ein niedliches kleines Fellkügelchen über einen Baumstamm flitzen sehen. Danach verlief die weitere Suche aber erfolglos. Dennoch war es toll im Dunkeln durch den duftenden und vom Regen am Nachmittag tropfenden Wald zu laufen. Wilde Vanille rankte sich an Büschen entlang und verströmte ihren betörenden Duft. In der Umgebung gab es auch Nelkenfelder. Nach einem Abendessen von seiner Frau scheuchte uns der Guide nebenan ins Gebüsch, weil sein Kollege endlich einen Tarsir aufgestöbert hatte. Beim Rückweg in der Dunkelheit waren wir froh, dass wir die Strecke schon zum vierten Mal gefahren sind.