06/10/2023
Naha
Seit unserer ersten Reise nach Japan wollten wir unbedingt noch einmal wieder kommen - bei gutem Wetter am liebsten. Obwohl wir fast die gleiche Jahreszeit haben, sind die Inseln Okinawas so weit südlich, dass es noch richtig sommerlich ist. Wir verbinden die lange Anreise mit einem Aufenthalt in Seoul in Südkorea.
Direkt nach der Landung wussten wir, dass wir in Japan waren. An der Parkposition des Flugzeugs warteten schon die Kofferpacker in einer Reihe, verbeugten sich vor dem Flugzeug und machten sich an die Arbeit. Auch alles andere am Flughafen war perfekt organisiert, so dass wir nach kurzer Riechkontrolle durch einen Zollhund schon im Monorail in die Stadt saßen.
Naha ist - wie erwartet - sehr trist und hässlich: Beton, Hochbahnen, Konbinis an jeder Ecke (weiter laufen zu müssen wäre auch nicht so convenient). Von unserem neuen und einfachen Hotel Maejima aus mussten wir ein bisschen laufen, um in die Innenstadt zu kommen. Man darf sich Naha nicht als Kleinstadt auf einer entfernten Insel vorstellen. Es ist eine japanische Großstadt (auf einer entfernten Insel, die gar nicht mal klein ist).
Die Hauptmeile im Ort ist die Kokusai-Dori. Dort gibt es eigentlich nur Läden mit Tinnef für Touristen. Okinawa pflegt ein Hawaii-Image. Alles ist mit Hibiskus dekoriert - besonders die dazu passenden „Okinawa-Hemden". Die meisten Menschen werden japanische Inlandstouristen gewesen sein, aber alle hatten ihren Spaß daran mit Okinawa-Hemden und Orion-T-Shirts (das lokale Bier) klar zu machen, dass sie im Urlaub sind.
Die Kokusai-Dori geht ewig weiter und bietet ununterbrochen Softeis, Souvenirs, Okinawa-Hemden und Orion. Ein Marktviertel mit überdachten Straßen schließt sich an. In der zentralen kleinen Markthalle gibt es die frischesten Fische, die man sich denken kann. Die Auslagen auf Eis gleichen Korallenriffen mit den vielen bunten Fischen. Sogar Kugelfische und Steinfische sind im Angebot. In den angrenzenden Gassen gibt es unzählige kleine Restaurants.
Die Okinawa-Küche bietet zwar viel leckeren Fisch, hat aber auch ein paar problematische Eigenheiten. Die sehr bittere Bittergurke, die gerne überall dazu gemischt wird, geht noch als verfeinernde Zutat durch. Der sauer eingelegte Seetang lässt Essig wie eine Limonade erscheinen (peppt einfachen Reis aber auf). Wirklich übel ist aber die Vorliebe für Spam! (Ja, das Dosenfleisch, das so unbeliebt ist, dass unerwünschte Emails danach benannt wurden). Spam gibt es in Reis-Sandwiches, als Spam-Tempura und mit etwas Pech als blinden Passagier in so gut wie jedem anderen Gericht. Die Erklärung für diese unerwartete lokale Spezialität ist die amerikanische Besatzung nach dem Krieg, die mit Spam die Hearts & Stomachs der Okinawer gewinnen wollten. Absonderlich genug es zu essen, aber auch Spam-T-Shirts sind äußerst beliebt.