Die Strecke von Puebla nach Oaxaca war sehr lang und sehr mexikanisch. An die sechs Stunden dauerte die Fahrt. Aber die Landschaft war genau so, wie wir uns Mexiko vorgestellt haben: Karg, hügelig, kreisende Geier und Kakteen bis zum Horizont. Wir haben einen kleinen Umweg zum Jardin Botanico Helia Bravo Hollis gemacht. Der Park mit dem knackigen Namen ist bestens geeignet, um Kakteen aus der Nähe zu bestaunen. Es gab unter den zahlreichen Arten 15 Meter hohe Kakteen-Giganten und auch (irgendwie überraschend) geisterhafte Kakteen-Skelette aus Holz, die übrig bleiben, wenn ein Kaktus mal stirbt.
Zwischenzeitlich war die Strecke sehr unberührt. Es gab zwar noch viel Verkehr, aber so gut wie keine Bebauung mehr. Die Straße führte durch ein wildes Niemandsland. Es war fast schön durch diese stachelige Einöde zu fahren, wenn es nicht so lange gedauert hätte (und einfach keine Tankstelle kommen wollte).
Wir haben Oaxaca am späten Nachmittag erreicht. Unser Hotel Casa Zina lag nur zwei Blocks vom Zocalo entfernt an einer ziemlich viel befahrenen, engen Straße. Das kleine Hotel war sehr hübsch gemacht und passte damit gar nicht so richtig in die laute, wuselige Gegend. Gegenüber stand ein kleiner Wagen, der frische Waffeln (Marquesitas) verkaufte, an der Ecke gab es Tluyadas und um die Ecke einen ganzen Block lang Straßenstände, die aufgestapeltes Fleisch präsentierten und Rauchschwaden in den Himmel schickten. Unser Auto haben wir bei einem Parkplatz nebenan abgegeben. Etwas ungewohnt war, dass wir den Schlüssel da lassen mussten. Um das Meiste aus der Fläche rauszuholen, spielen die Parkwächter Sokoban: Sie stellen die Autos in drei Reihen und müssen ständig mehrere umparken, wenn jemand raus will.
Für einen richtigen Spaziergang waren wir schon zu müde. Ein kurzer Blick auf den Zocalo hat uns zweifeln lassen, ob wir vielleicht im Kreis gefahren und wieder in Puebla (oder Merida?) waren. Dann hat uns ein Taco-Schuppen an der nächsten Ecke magisch angezogen. Mehr brauchten wir an dem Abend nicht, um zufrieden ins Bett zu fallen.
06/01/2026
Oaxaca hat eine hübsche Altstadt mit flachen, bunten Häusern, die nette Cafes und Restaurants beherbergen. Man kann nicht sagen, dass es groß anders aussähe als in Puebla oder Merida, aber wir fanden es doch ein bisschen charmanter. Das mag an dem guten Start in den Tag mit einem leckeren Frühstück auf der Dachterrasse des Ama Terraza gelegen haben. Man kann schön durch die Straßen schlendern, es gibt sehr viele hübsche Lädchen, Lokale und Galerien von ansäßigen Künstlern, die am laufenden Meter Linolschnitte von Totenköpfen produzieren.
Wir sind schnell im jüngeren Viertel Jalatlaco gelandet, wo es jede Menge Graffiti und Paste-Ups der Linoldrucke an den Wänden gibt. Viele Straßen sind äußerst fotogen mit Papel Picado geschmückt - bunten Papiergirlanden, die als große runde Fächer effektvoll zwischen Häusern aufgespannt werden. Man kann wunderbar einen Tag in der sympathischen Stadt verbummeln. Es wurde erstaunlich heiß am Nachmittag, so dass wir sogar kurz in den Pool auf dem Dach unseres Hotels gesprungen sind, der uns am vorigen Abend noch ziemlich deplatziert vorkam.
07/01/2026
In der Nähe von Oaxaca liegt der Hierve el Agua - ein “versteinerter Wasserfall”. Besonders viel Wasser fließt dort gar nicht. Aber es kommt sehr kalkhaltig aus einer unterirdischen Quelle gesprudelt und hat eine überlaufende Struktur aus Travertin gebildet, die wie eine riesige heruntergetropfte Kerze - oder halt ein versteinerter Wasserfall - aussieht.
Oben gibt es (teils) natürliche Pools mit interessanten Kalkformationen und grünlichem Wasser. Der Name des Orts bedeutet, dass Wasser gekocht wird. Die Temperatur ist damit sicher nicht gemeint, denn die lag eher zwischen erfrischend und eisig. Trotzdem ist die Attraktion ein Badespaß. Wenn man sich einmal überwunden hat, ins Wasser zu steigen, kann man tolle Fotos machen, als würde man in grüner Säure baden. Zum Aufwärmen sind wir noch einem kleinen Weg gefolgt, von dem aus man die ungewöhnlichen Strukturen gut von der Seite sehen konnte.
Zurück in Oaxaca haben wir im Origen, einem der zahllosen schönen Restaurants in der Altstadt, sehr lecker gegessen. Besonders der Nachtisch, ein Mais-Pudding mit Kokoseis und Anis, war eine Offenbarung!