In etwas mehr als zwei Stunden sind wir von Bacalar nach Xpujil gefahren. Wir hatten einen Bungalow in einem Hotel am Ortsrand gebucht. Die kleine Anlage war vollkommen verlassen und der abgestandene Pool war eines Motels würdig, aber wir hatten rechtzeitig eine Email bekommen, welches Zimmer wir nehmen sollten, und dass der Schlüssel steckte. Ohne groß auszupacken sind wir direkt in den Nachbarort (man kann die zwei Straßen eigentlich kaum so nennen) Becan gefahren, um dort noch schnell einen kleinen Maya-Ort zu besichtigen.
Als wir dort ankamen, war das große Tor geschlossen. Da dämmerte uns erst, dass die Anlage an Weihnachten vielleicht geschlossen sein könnte. Netterweise hatte der Parkwächter aber einen Nebeneingang geöffnet und uns reingelassen. Unser Eintritt wanderte als Weihnachtsgeld direkt in seine Hosentasche - wir bekamen sogar Rabatt. Becan ist eine kleine Maya-Stätte, die versteckt im Wald liegt. Wir waren fast alleine dort und konnten uns im Treppenlaufen üben. Von der Haupt-Pyramide hatten wir einen schönen Blick über den Wald. Die anderen Ruinen waren weniger hohe Gebäude und hatten fast keine erhaltenen Verzierungen. Der Wald hat sich in Jahrhunderten über die Steine gelegt und so manche Mauer wurde von Wurzeln gesprengt. Der nette Spaziergang dauerte nicht lange, hat sich aber gelohnt.
Ansonsten kann man rund um Xpujil wirklich überhaupt nichts machen. Wie sich herausstellte war auch im Ort nichts zu machen. Wegen Weihnachten hatten fast alle Geschäfte geschlossen. Die zwei offenen Restaurants, die wir entdeckt hatten, waren um sechs schon geschlossen. Wir hatten schon Sorge, dass wir uns im traurigen Sortiment von OXXO (kann man sich als Tankstellen-Shop ohne Tankstelle vorstellen) ein Abendessen aus Chips und Cola zusammenstellen müssten. Aber auf einer letzten Runde über die staubige Hauptstraße haben wir eine rettende Taqueria entdeckt, die noch offen hatte. Die Tacos al Pastor kosteten weniger als eine Euro pro Stück und waren erstaunlich lecker. Das marinierte Fleisch wurde von einem Döner-Spieß (“Trompo”) geschnitten und mit Ananas gereicht. Dazu wurde uns noch mit ein paar Handgriffen eine frische Guacamole gezaubert. Gerettet!
26/12/2025
Das triste Xpujil ist nur als Basis für den Ausflug nach Calakmul auf unserer Route gelandet. Um sechs Uhr morgens saßen wir schon wieder im Auto und folgten der schnurgeraden Landstraße durch den Dschungel nach Westen. In der Früh war es noch ziemlich frisch. Dichter Nebel lag über dem Wald und verschluckte regelmäßig unser Auto. Die Maya-Stätte von Calakmul liegt in einem Naturschutzgebiet. Der Abzweig war schnell erreicht. Aber im Park folgten noch 60km bei Tempo 30. Die Strecke dauerte etwas über eine Stunde, was zeigt wie gut die Straße dort war. Der Weg führte durch einen herrlichen, dichten Wald dessen Baumkronen sich über der Straße zu einem Dach schlossen. Kein anderes Auto war unterwegs. Nur hin und wieder haben große, exotische Vögel unseren Weg gekreuzt. Es gab überall Schilder, die vor Jaguaren warnten, aber leider ist keiner aus dem Gebüsch gesprungen.
Calakmul war eine der größten Maya-Städte und beherrschte zeitweise die ganze Region. Im 7. Jahrhundert wurde der Erzfeind Tikal besiegt, das 100km südlich in Guatemala liegt. Wir waren früh vor Ort und sind mit nur einer Handvoll Leute in die ausgedehnte Anlage spaziert. Im Gegensatz zu den touristischen Anlagen von Chichen Itza und Uxmal darf man in Calakmul hoch auf die Pyramiden steigen. Schon die erste Treppe hatte uns die morgendliche Kälte ausgetrieben. Der Ausblick von oben war fantastisch: Bis zum Horizont erstreckte sich ein lückenloser, dichter Wald, aus dem nur die Spitzen der imposanten weiteren zwei Pyramiden herausragen. Tukane schossen in der Ferne über die Wipfel. Die Gegend wird heute von Brüllaffen bewohnt, die in den Baumkronen sitzen, deren gruseliges Geheule irrsinnig laut durch die Wälder schallt.
Die Anlage war so schön im Wald gelegen, dass wir bis zum frühen Nachmittag umher gewandert sind. Wir hatten davon gelesen, dass die Straße wegen Bauarbeiten frühzeitig gesperrt würde, aber das war schon alles erledigt. Das Ergebnis ist ein nagelneuer großes Hotel, das ein paar Kilometer vor Calakmul im Nichts liegt. Das erklärte vielleicht den exzellenten Zustand der Straße. Wir haben dort für ein spätes Mittagessen angehalten bevor wir uns auf den langen Rückweg nach Xpujil gemacht haben.