14/05/2023
Totes Meer
In der King David Street haben wir unseren Mietwagen abgeholt. Mit unserem kleinen Auto haben wir Jerusalem nach Osten verlassen. Die Landschaft war eintönig und die Bebauung hässlich. Wir waren unsicher, wie die Fahrt verlaufen würde, weil sich die Autobahn durchs Westjordanland schneidet - auf den umliegenden Hügeln konnten wir Teile der Grenzmauern sehen. Aber es gab keine Checkpoints und keine Probleme.
Nach einer Weile erschien das Tote Meer blau und grün im Dunst vor uns. Das Ufer hatte helle Ablagerungen vom Salz und man sah deutlich, dass der Wasserspiegel über Jahre gesunken war. Die (ehemalige) Uferstraße lag kilometerweit vom Wasser entfernt und in dem entstandenen Brachland gab es keine Stellen, wo wir einen Stopp am Wasser machen konnten.
Fast schon am Südende des Toten Meeres liegt die kleine Oase Ein Gedi. Hinter dem winzigen Ort beginnt die gleichnamige Schlucht, in der man eine sehr schöne Wanderung machen kann. Anfangs führte uns der Wanderweg durch eine offene Schlucht an dem kleinen Fluss entlang. Die Hügel waren sandfarben und ganz karg. Ums Wasser herum sprießten Gräser und Büsche. Irgendwann verschwand der Weg und wir mussten durchs Wasser laufen. Das war herrlich erfrischend in der Hitze. Am Ende der Schlucht lag ein kleiner Wasserfall und ein einladender Pool.
Wir hatten noch Zeit und sind zum angestaubten Badort Ein Bokek gefahren. Ein paar große Hotels lagen dort zwischen Parkplätzen und Kreisverkehren und wirkten wie ein gescheitertes Tourismus-Experiment. Am Nachmittag stieg die Temperatur auf 34 Grad, aber man kann das Tote Meer nicht gerade erfrischend nennen. Die Badegäste trieben unter Sonnenschutz-Gestellen auf dem Wasser. Der Auftrieb in dem salzigen Wasser ist ein witziges Gefühl, aber uns hatte das Tote Meer in Jordanien doch viel besser gefallen.
Für die Nacht sind wir wieder ein gutes Stück zurück gefahren und auf halber Höhe in die Berge nach Metsoke Dragot gefahren. Bei dem Abzweig war ein einsamer Checkpoint mit ein paar verschlafenen Wehrdienstleistenden, ansonsten gab es weit und breit nichts. Die Straße hat sich in engen Serpentinen hochgeschraubt und endete an einem großen, verschlossenen Tor, wo schon ein paar andere Autos warteten. Irgendwann hat jemand die Klingel gehört und wir sind in die kleine Gated Community eingelassen worden. Dort gab es einen Campingplatz und einfache, kleine Hütten. Von den Klippen aus hatten wir einen fantastischen Blick aus der Höhe auf das Tote Meer und die abendlichen Lichter der jordanischen Seite.
15/05/2023
Am nächsten Morgen sind wir wieder nach Süden zur berühmten Festung Masada gefahren. Eigentlich wollten wir hinauf wandern. Aber leider war der Wanderweg geschlossen, daher mussten wir die Gondel nehmen. Die Überbleibsel der Festung waren ernüchternd. Auf der staubigen Kuppe gab es noch ein paar kniehohe Mauern und sonst nur eine Menge Geschichten. Die Lage ist dennoch toll: Rund herum eine feindselige Mondlandschaft und das Tote Meer, das wie eine Fata Morgana zwischen den Bergen liegt.
Nach einem kurzen Salzkrusten-Fotoshooting sind wir zu einem Trip durch die Negev-Wüste aufgebrochen. Der südliche Zipfel des Toten Meeres, von dem wir uns noch ein paar schöne Ausblicke erhofft hatten, war aber nur eine endlos lang gezogene Industrieanlage.