Israel 2023

11/05/2023 bis 21/05/2023

18/05/2023

Tel Aviv

Die Fahrt von Akko nach Tel Aviv war sehr langweilig. Zu Beginn konnten wir aus der Ferne noch die Bahai-Gärten sehen, die sich weit sichtbar durch die Topografie von Haifa zogen. Danach waren da nur noch Autos und Stau. Als erstes sind wir in der Stadt unseren Mietwagen losgeworden. In Tel Aviv macht es überhaupt keinen Sinn mit dem eigenen Auto herumzufahren.

Das Meer war nur einen Block entfernt und bis wir in unserem Apartment einchecken konnten, haben wir uns dort in die Sonne gelegt. Der Stadtstrand von Tel Aviv ist wirklich toll. Was bei uns im Sommer der Park ist, ist dort (beneidenswerterweise nicht nur im Sommer) der Strand. Der Sand war weich, alles sauber und die Leute friedlich und entspannt. Die Uferpromenade war von misslungenen Hochhäusern gesäumt und wirkte fast amerikanisch.

Am Nachmittag sind wir zu Fuß zu unserer Unterkunft im Jemenitischen Viertel hinter dem Carmel Markt gelaufen. Das Zimmer war geräumig und hübsch eingerichtet (nur das Warmwasser hat während des ganzen Aufenthalts nicht funktioniert). Die Gegend ist sehr lebendig und hat viele kleine Bars und Imbisse und natürlich den langen, wuseligen Carmel Street Markt. Aber wir hatten Glück - unser Haus war zwei Ecken vom Trubel entfernt und schön ruhig. Gegenüber lag der Shlomo & Doron Hummus-Laden, wo wir uns stärken konnten.

Bis zum Abend hatten wir schon einen großen Rundgang durch die Umgebung gemacht. Der Carmel Market war nicht so schön wie der Yehuda Market in Jerusalem. Aber in den Straßen dahinter gab es interessante Graffiti. Die große Allenby Street ist eine lebendige Geschäftsstraße mit vielen Restaurants und Bars. Der prächtige Rothschild Boulevard hat einen immergrünen Streifen Kunstrasen in der Mitte und viele Kiosks mit Eiskaffee und frischen Säften. Zwischen den modernen Hochhäusern stehen noch Bauhaus-Villen. In Neve Tsedek sind die Häuser älter und flacher. Das Viertel schwankt noch zwischen in die Jahre gekommene Wohngegend und restauriertem Shopping District. Überall liegen nette Restaurants in Innenhöfen. Die Straße führte uns zurück Richtung Meer.

Aus der Ferne kamen laute Musik vom Strand. Die Party entpuppte sich als Volksfest. Es gab jede Menge Fressbuden und Getränkestände. Aber anstelle von den Höhnern, die bei uns aufgetreten wären, hat die DJ schon am Nachmittag Goa aufgelegt. Zum Sonnenuntergang haben wir uns einen Spritz bestellt (und wurden nach dem Ausweis gefragt – sehr charmant!) und haben ein bisschen mitgetanzt.

Abends verwandelte sich unser Viertel in ein großes Straßenlokal. Überall wurden Tische und Stühle rausgestellt und alles war voller Menschen. Wir haben in einem netten Laden in der Yom Tov Street ein bisschen Pita und Gemüse bestellt und dazu mit Wein auf diese tolle Stadt angestoßen.

19/05/2023

Am nächsten Morgen sind wir in den nördlichen Teil des Zentrums gelaufen. Dort wird die Stadt plötzlich großstädtischer: Schauspielhaus, Oper, breite Straßen und erste richtige Hochhäuser. Im Tel Aviv Museum of Art haben wir eine der besten Ausstellungen seit langem gesehen: Maryan, ein polnischer Künstler und Auschwitz-Überlebender. Seine Bilder waren sehr eigenständig, roh und genauso kraftvoll wie bedrückend.

Danach sind wir die Dizengoff entlanggelaufen – ein lebendiges Viertel mit viel Shopping und Cafés. Weil Freitag war, merkte man überall die Vorbereitung auf den Shabbat: geschäftiges Treiben, das langsam in ein Runterfahren überging. Zum Verschnaufen haben wir uns wieder am Strand in die Sonne gelegt.

Am Nachmittag haben wir dann endlich die Sheinkin Street entdeckt – leider zu spät. Die kleinen Boutiquen und Läden sahen genau nach dem aus, was wir uns vorgestellt hatten, aber es war schon alles geschlossen. Auch unser zweiter Versuch, die „Weiße Stadt“ zu bestaunen, war eher ernüchternd. Vieles wirkte grau und heruntergekommen, nur vereinzelt waren die Bauhaus-Häuser sehenswert.

Dafür kam am Abend wieder Leben in die Stadt. Auf der Nachalat Binyamin, die sich von Florentin bis zu uns zog, waren die Bars schon früh gut gefüllt. Nach einer kurzen Pause zu Hause sind wir zum Abendessen ins Café Berlin gegangen: gutes Essen, laute Musik, entspannte Stimmung. Danach sind wir nach Florentin gelaufen, wo das Nachtleben stattfindet. Der Teder Club sah vielversprechend aus, halb-offen in einem Innenhof, aber es gab ein etwas anstrengendes Live-Konzert mit Vocoder-Rap. Also sind wir weitergezogen und irgendwann nach Hause.

20/05/2023

In Tel Aviv muss man natürlich auch Jaffa sehen. Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage hat uns die Altstadt dort allerdings nicht so begeistert. Sehr touristisch, ziemlich klein – nach Jerusalem und Akko wirkte das alles etwas beliebig. Auch im „Flea Market“-Viertel war zwar viel offen, aber es gab mehr Burger und Fritten als Trödel.

Deutlich spannender war Florentin auch am Tag: abgerockt und laut, voller junger Leute, überall Cafés, Bars und vor allem Graffiti.

Den letzten Nachmittag haben wir wieder am Strand verbracht. Samstags war es deutlich voller, aber die Stimmung blieb entspannt. Zum Baden war es immer noch zu kalt, aber in der Sonne ließ es sich hervorragend aushalten.

Zum Abschluss der Reise hatten wir noch ein richtig gutes Abendessen im Dallal Restaurant, dessen Nachtisch von uns einen einstelligen Weltranglistenplatz bekam – ein würdiger letzter Abend nach diesen zwei intensiven Wochen.