Israel 2023

11/05/2023 bis 21/05/2023

15/05/2023

Mitzpe Ramon

Die Fahrt vom Toten Meer nach Süden durch die Negev hat sich ein bisschen gezogen. Wenn man sich einmal an die Einöde gewöhnt hat, tut sich nicht viel in der Landschaft. Insbesondere, wenn man nur schnell mit dem Auto durchfährt.

Erst als es wieder nach Norden ging, wurde die Strecke spannender. Die Wüste wurde abwechslungsreicher, die Hügel waren mal schwarz oder rot oder auch mal blaugrün. Nach einer Ewigkeit tauchte endlich eine hohe Kraterwand am Horizont auf. Scheinbar senkrecht ragte sie aus dem Boden der Negev auf und verlief sich erst weit außerhalb des Sichtfelds. Man meint nicht, dass eine Straße da hochführen würde, aber über einige sehr steile Serpentinen haben wir das Plateau und die Stadt Mitzpe Ramon erreicht, die direkt am Kraterrand liegt. Es handelt sich übrigens um einen Erosionskrater und keinen Vulkan oder Kometeneinschlag - in der unwirtlichen Region hätte alles gepasst.

Der Ort ist klein und größtenteils unauffällig – eine Raststätte auf dem langen Weg durch die Wüste. Aber es gibt einen etwas abseits gelegenen Stadtteil namens „Spice Quarter“, von dem in jedem Reiseführer geschwärmt wird. Nach der langen Fahrt hatten wir nicht mehr viel vor außer etwas zu essen. In einem kleinen Laden um die Ecke hat uns ein gesprächiger Wirt Unmengen von Essen mit einem Schwall hebräischer Geschichten aufgetischt, die wir allesamt nicht verstanden haben.

16/05/2023

Am nächsten Morgen sind wir wieder hinunter in den Ramon Krater gefahren, um dort zu wandern. Die Straße wurde schnell schlechter, aber wir haben es auf dem Schotter bis zu einem verlassenen Wanderparkplatz geschafft. In der Wüste war es sehr heiß und sehr trocken, aber durch den Wind noch gut auszuhalten.

In etwa zwei Stunden haben wir eine schöne Runde durch ein breites Wadi mit bunt gebänderten Wänden in rot, beige, schwarz und türkis gemacht. Es war erstaunlich, wie viel Vegetation es dort noch gab – sogar blühende Pflanzen. Auf dem Rückweg sind wir einen steilen Hügel hinauf, der eine tolle Aussicht auf die Mondlandschaft bot. Die Wüste war abwechslungsreich durch die schwarzen Hügel, die aus dem Sand herausstachen. Im Hintergrund ragte die mächtige Kraterwand auf.

Die sind wir danach wieder heraufgefahren, um zum weiter nördlich gelegenen Wadi Avdat zu kommen. Am Südende gibt es einen Aussichtspunkt, der einen Blick in den tief ausgeschnittenen Canyon mit seinen kleinen Wasserläufen, Teichen und viel Grün bietet. Der eigentlichen Eingang am Nordende war nur 1km Luftlinie entfernt, aber mit dem Auto mussten wir 12km Umwege fahren.

Im Canyon waren wir die einzigen Besucher. Am Tor wurde uns geraten wegen der Hitze nur einen kurzen Spaziergang zu machen. Die Schlucht ist tief und hat steile Wände. Ibex-Familien drückten sich in den schmalen Schatten. Auch wir suchten nach ein paar Metern nach Schatten zum Abkühlen. In der Mitte lagen flache Pools mit viel Grün rund herum – eine kleine Oase in der trockenen Negev. Der Weg führte etwa einen Kilometer in die Schlucht und ging dabei leicht bergauf. Obwohl es nur ein Spaziergang war, waren wir kurz vorm Hitzschlag und tranken Wasser wie Kamele.

Neben den Gazellen wimmelte das Tal von Vögeln. Eine herrliche Ruhe mit Gezwitscher, das nur von Flugzeugen unterbrochen wurde, die alle paar Minuten über die Schlucht flogen. Tatsächlich blieben wir die einzigen Besucher im Wadi. Zurück am Auto zeigte das Thermometer 40° – dabei hatten wir den einzigen Schattenparkplatz ergattert.

Auf dem Rückweg haben wir im Spice Route Quarter von Mitzpe gehalten. Dort hatten wir nur alles geschlossen erlebt. Aber jetzt waren einige Geschäfte offen. Eine nette Gegend mit vielen Cafés, kreativen kleinen Lädchen und viel Street Art. Definitiv nichts, was man in einer Kleinstadt wie Ramon erwartet, auch wenn sehr wenig Besucher da waren.

Für die Nacht hatten wir auf einer Alpaca Farm abseits der Stadt eine Unterkunft gebucht. Die entpuppte sich als große, schön gestaltete Luxus-Jurte mit kleiner Terrasse in einem Blumengarten. Sogar eine Toilette hatte das Zelt, nur zum Duschen mussten wir in einen Gemeinschaftsbau.

Mit einer Tüte voller Leckereien haben wir Lamas und Alpacas gefüttert - goldige Viecher. Der riesige Hund der Farm hatte sich scheinbar den Auftrag gegeben uns zu beschützen und hielt sich dazu auf dem großen, leeren Gelände leider nur auf unserer kleinen Terrasse auf. Nachts hat er alle paar Sekunden gejault und wir brauchten in der Einsamkeit der Wüste Ohrstöpsel.