08/09/2026
Pungo Adongo
Unser erstes Ziel in der Region waren die Pedras Negras – die schwarzen Steine – von Pungo N‘dongo. Wir mussten zurück nach Cacuso und dann noch weiter nach Süden. Die Straße wurde immer schlechter. Manche Schlaglöcher waren so alt, dass schon Pflanzen darin wuchsen. Das ist eigentlich ganz praktisch, da man sie so ziemlich gut sieht.
In unserem kleinen Auto wurden wir über eine Stunde durchgerüttelt, bis sich mitten aus der flachen Steppe ein Feld von an die 200 Meter hohen Felsen erhob. Die meisten sind rundlich und erinnern an Köpfe, Figuren oder Tiere. Aber die Einheimischen kennen natürlich auch einen Felsen, der wie ein „männliches Geschlecht“ aussieht, und führen mit noch größerer Begeisterung auch gerne das weibliche Geschlecht vor. Immerhin blieb uns die Jungfrau Maria erspart, die man sonst ja in jeder Felsspalte entdeckt.
Unser Führer hatte vor Ort einen weiteren Führer angeheuert. Das scheint eine Art Ehrenkodex zu sein, dass man als überregionaler Fahrer-Führer nicht in anderer Leute Sehenswürdigkeiten wildert. Der hiesige Führer sprach nur Portugiesisch und war wortkarg, aber unser Führer – jetzt in Gastrolle – hat durchgehend Fragen gestellt und uns hin und wieder etwas auf Spanisch übersetzt. Meistens ging es darum, ob eine Frucht essbar war.
Wir hatten für den Tag nichts anderes geplant, daher konnten wir eine dreistündige Wanderung durch die Schwarzen Steine machen. Von weitem wirkten die Felsen wie ein massiver, langgezogener Felszug. Doch aus der Nähe konnten wir sehen, dass die meisten einzeln standen und sich Busch und Wälder zwischen ihnen und auch auf ihnen ausgebreitet hatte. Oben drauf haben sich sogar Kakteen unter die Gräser gemischt.
Die Felsen bestehen aus einer Art mehrfarbigem natürlichen Beton, an manchen Stellen mit dicken eingeschlossenen Kieseln, woanders grau und glatt. Die Landschaft wirkte sehr urzeitlich – was zwar mehr oder weniger auf jeden Berg zutrifft, hier wirkte es aber eben noch urzeitlicher. Niemand wäre überrascht hier auf einen Dinosaurier zu treffen. Uns erinnerte es an Purnululu in Australien.
Die Ausblicke in die Felslandschaft waren fantastisch. Wir waren froh, dass wir einen längeren Weg gehen konnten und nicht nur den üblichen Aussichtspunkt hinter dem Dorf gesehen haben. Denn die abgelegenen Ausblicke waren beeindruckender. Trotzdem haben wir nur einen kleinen Ausschnitt gesehen, das ganze Feld ist 10km lang.
Die Pedras Negras haben auch einen geschichtlichen Hintergrund. In den Schluchten zwischen den Felsen lag ein Königssitz (der N‘gola, der dem Land vielleicht den Namen gab). Hier soll auch die Königin Njinga ihre Fußabdrücke im Stein hinterlassen haben. Die kann man an einer markierten Stelle bewundern. Die Dame muss ungemein schwer gewesen sein, dass sie ihren zierlichen Fuß so in den Stein pressen konnte. Aber ihr werden ohnehin übernatürliche Kräfte zugeschrieben – vielleicht konnte sie auch mächtig aufstampfen. Das hat langfristig aber nicht geholfen. Die Portugiesen hatten den Ort bald erobert.
Der Rückweg hatte sich erstaunlich gezogen. Auf der Fazienda sind wir auch noch in einen Kuhstau geraten, als Cowboys hunderte Tiere über den Hauptweg trieben. Über einen holprigen Umweg konnten wir sie überholen und waren froh, als wir in unserem tollen Bungalow duschen und entspannen konnten. Wieder hatten wir ein tolles, völlig übertriebenes Abendessen mit Überraschungs-Steak in der Halbzeit.