16/09/2026
Namibe & Iona
Von Lubango aus sind wir Richtung Küste nach Westen gestartet. Die Straße war einspurig und bis auf ein paar Schlaglöcher gut zu fahren. Auch auf diesem Weg muss man irgendwann vom Hochplateau in die niedrigere Gegend wechseln. Das geht über den spektakulären Seba-Pass. Die Straße führt in engen Serpentinen hinunter. Wir haben zuerst auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht Halt gemacht, wo es einen Aussichtspunkt gibt. Die Straße lag wie Darm auf dem Hang und war voller Lastwagen, die sich im Schneckentempo herauf oder herunter quälten.
Hinter dem Pass wurde es immer flacher und karger. Die Straße hatte so viele Schlaglöcher, dass wir wie Betrunkene von Spur zu Spur kurven mussten. Nach einer Weile wurde die Landschaft zu einem trockenen, wüsten Ödland. Aber die Straße wurde besser und das letzte Stück war geradezu makellos. Während der Fahrt wurde es immer kühler, von über 30°C fielen die Temperaturen kontinuierlich bis auf 18°C.
Die Stadt Namibe (auch Moçamedes genannt – die portugiesische Aussprache sollte man aber Fachleuten überlassen) ist das einsame Zentrum der ansonsten sehr leeren Küstenregion. Schon zu Kolonialzeiten gab es dort ein Fischereizentrum. Von damals ist eine große Allee mit pastellfarbenen Gebäuden, ein paar ehemals schmucke Wohnhäuser und ein lindgrünes Art-Deco Kino übrig geblieben. Es gibt noch eine nicht besonders schöne Straße mit Fischrestaurants direkt am Meer.
Wir wollten nur mal einen Eindruck gewinnen, bevor wir zur Baia das Pipas nördlich von Namibe weitergefahren sind. Dort hatten wir in einem Hotel reserviert, das sehr schön am dortigen Strand lag. Es gab seit kurzem eine neue Straße, so dass wir in einer halben Stunde dort waren. Das Hotel kam uns seltsam verlassen vor. An der Rezeption war niemand und Gäste gab es auch keine. Dann tauchten ein paar Leute auf und es stellte sich heraus, dass das Hotel eigentlich geschlossen war. Die alte Website war noch aktiv, aber die neuen Besitzer bekamen die Reservierungen nicht. Immerhin haben wir nichts im Voraus bezahlt. Aber wir mussten uns eine neue Unterkunft suchen.
Daher waren wir recht schnell wieder in Namibe, um wie früher, vor Ort nach einem Hotel zu suchen. Der immer mal wieder positiv erwähnte Amelia Beach lag hinter einem chaotischen Müllhalden-Markt-Mix und die dortigen Bungalows waren vorsichtig ausgedrückt sehr wenig einladend. Durch Zufall haben wir dann das Yona Hotel entdeckt, dessen großer Bau etwas im Hinterland aufragte. Dort sind wir dann fündig geworden und haben mit einem Cuca darauf angestoßen, dass unsere Pechsträhne vorbei sein möge.
17/09/2026
Als ersten Ausflug sind wir nach Süden gefahren. Etwas weniger als eine Stunde auf einer guten Asphaltstraße lag der Abzweig zu der Lagoa dos Arcos. Am Straßenrand haben wir profimäßig den Reifendruck reduziert, weil es ab dort nur noch Schotterpisten gab. Tatsächlich waren es nicht wirklich Pisten, sondern einfach flaches Land mit zahllosen Reifenspuren, die in alle Richtungen führten. Ermutigt von einem Schild sind wir den am meisten ausgefahrenen Spuren gefolgt. Auf unseren Offline Maps sah das aber nicht richtig aus. Kurz danach tauchten zwei Männer auf einem Motorrad auf, die uns bestätigten, dass wir in die falsche Richtung fuhren. Also zurück zum Schild, und beim zweiten Anlauf haben wir die richtige Spur gefunden. Nach nur ein paar Kilometer sind wir an ein paar Hütten vorbeigekommen, die schon in der Nähe der Lagune lagen. Dort haben wir geparkt. Aus dem Nichts tauchte ein großer, schüchterner Mann auf und wurde unser Führer.
Er hat uns durch eine kleine Schlucht aus Sandstein geführt. Es war überraschend grün in der Gegend. Wir hatten die Lagune eigentlich für ausgetrocknet gehalten. Aber tatsächlich fällt ab Dezember Regen und die drei Seen füllen sich wieder mit Wasser. Danach wird Mais und Tabak angebaut. Es war geradezu idyllisch. Die namengebende Attraktion ist O Arco – der Bogen. Das ist eine ausgewaschene Felswand, die wie eine Brücke einen Bogen spannt. Der Spaziergang durch die Gegend dort war wirklich sehr schön.
Wir haben eine Abkürzung durch das Ödland nach Osten genommen, um zu den Colinas Canyons zu kommen. Die liegen ein bisschen weiter die „Estrada Nacional 100“ herunter. Was nach einer Autobahn klingt, ist eine abenteuerliche Piste, die streckenweise nur aus zwei Reifenspuren im Sand bestand. Teilweise konnten wir nicht glauben, dass wir laut maps.me immer noch auf dem richtigen Weg waren.
Die Canyons sind tolle rote Felsformationen, die so auch im Wadi Rum stehen könnten. Wir waren stolz, es mit unserem dicken Geländewagen bis dorthin geschafft zu haben. Aber da kam auch schon ein normaler Straßenwagen hinter uns her. Als wir gerade unseren Erfolg relativieren wollten, ist der andere Wagen immerhin im Sand stecken geblieben.
Wir sind eine ganze Weile im Canyon geblieben. Man konnte überall mit dem Auto herumfahren und immer mehr interessante Felsformationen entdecken.
Anschließend haben wir einen kurzen Ausflug in das Städtchen Tombua gemacht. Das ist ein weiterer Fischerei-Ort, aber kleiner als Namibe. Der Weg dorthin war voller Ruinen. Viele Gebäude waren noch von den Portugiesen und wurden verlassen. Andere Ruinen waren neuer. Auf eine lange Strecke gab es kein vollständiges Haus (mit Dach und so). Bis auf die Tankstelle am Ortseingang, war in Tombua alles ziemlich heruntergekommen. Überall war viel los auf Straße, aber alle Gebäude waren in schlechtem Zustand. Der prächtigste Bau war wieder ein altes Kino.
Am Strand haben wir Kleinfischer mit eigentümlichen, selbstgebauten Booten gesehen: Dicke Styropor-Platten werden mit Stoffen aus alten Plastiksäcken zu einem Mini-Kanu zusammengebunden. Als Ruder dienen halbierte Eimer, Schaufeln oder einfach die Hände. So paddeln sie in der Bucht und teilweise auch draußen auf dem Meer herum. Wir haben allerdings nicht verstanden, wie sie in den wackligen Kähnen tatsächlich fischen können.
Auf der Rückfahrt nach Namibe haben wir noch bei einem Feld von Welwitschien angehalten. Diese einzigartige Pflanze hatten wir schon in Namibia gesehen. Dort wurden waren das quasi Heiligtümer. Hier wuchsen sie in Unmengen am Straßenrand. Welwitschien haben zwei breite, lange Blätter, die schlapp auf dem Boden liegen. Aber sie haben metertiefe Wurzeln und einen kurzen, baumartigen Stamm, aus dem die Blätter wachsen. Die Blätter wachsen einfach immer weiter, bis die Spitzen irgendwann verrotten. Dazu ist eine Menge Zeit, denn die Pflanzen können über tausend Jahre alt werden!
18/09/2026
Wir wollten im Iona Nationalparks die Dünen am Meer sehen. Dank einer Kette von Weiterempfehlungen per WhatsApp hatten wir kurzfristig einen Führer bekommen, der einen Tag in unserem Auto mitgefahren ist, um uns im endlosen Sand auf der richtigen Spur zu halten.
Kurz vor Tombua haben wir nochmal spottbilligen Diesel aufgetankt (0,40€ pro Liter). Der Prado hat einen unglaublich großen Tank. Als sich die Nadel gerade von „Full“ gelöst hatte, konnten wir wieder 30 Liter auffüllen. Wichtiger war aber wieder der Reifendruck. Wir würden durch tiefen Sand fahren und da braucht man jeden Zentimeter Oberfläche. Der Führer hat uns zu 15psi geraten.
Mit schön platten Reifen sind wir ins Ödland gestartet: Von der Tankstelle am Friedhof vorbei, durch die Müllhalde und danach war nur noch flacher Sand. Es gab keine Pisten mehr, wir sind einfach querfeldein gefahren. Überall waren Reifenspuren, was ein bisschen ermutigend war. Wo der Sand fester war, konnten wir erstaunlich schnell fahren. Wir mussten zuerst zum Punta Albina Gate des Nationalparks, um uns zu registrieren und Eintritt zu bezahlen. Auch dorthin gab es keine Piste. Die haben tatsächlich mitten in der Wüste eine Schranke gebaut, die dann jemand öffnet.
Von dort aus ging es Richtung Küste zu einem Schiffswrack. Unser Führer sagte, er hätte die Karte im Kopf und hat uns, wenn er mal von seinem Handy aufgeblickt hat, in irgendeine Richtung korrigiert. Gut, dass wir heimlich ein Auge auf unserer Offline Map hatten. Der Sand wurde immer weicher und der Wagen schlingerte in den ausgefahrenen Spuren. Eigentlich lenkt man nur ein bisschen mit, damit die Reifen nicht verkanten. Aber der Wagen fährt hin, wo er will. Als der Führer dann sagte, wir sollten in dem Sand lieber nicht für ein Foto anhalten, wurde uns ein bisschen mulmig. Die „Vanessa“ ist ein Fischerboot, das wohl vor etwa 15 Jahren gesunken und gestrandet ist. Das Schiff war komplett verrostet und bis zum Deck im Sand begraben. Es sah aus, als läge es eher schon 50 Jahre dort.
Danach sind wir eine ganze Weile nach Süden weitergefahren, den großen Dünen entgegen. Zeitweise war der Sand so tief, dass der Wagen in den ausgefahrenen Spuren hin und her sprang. In alle Richtungen gab es Fata Morganas am Horizont. Vom Strand haben sich die brechenden Wellen in der Luft gespiegelt und weiße Lichtreflexe erzeugt. Die Dünen sahen über den Luftspiegelungen aus wie fliegende Kugeln. Irgendwann kamen wir in die ersten, flacheren Dünen wo es nur noch eine schmale Spur hoch und runter über die Kuppen gab. Auf der rechten Seite hämmerten große Wellen wild ans Land, auf der linken Seite öffnete sich die endlose Wüste.
An unserem Wendepunkt hatten ein paar Angler kampiert, um am abgelegensten Ort der Welt ein paar Fische zu fangen. Wir haben uns in den heißen Sand hinter der ersten Dünenreihe gelegt, wo es völlig windstill war. Die Luft war recht frisch, aber der Boden herrlich warm. Das könnte man als Spa verkaufen. Im Hintergrund rauschte das Meer und die Zeit verging schnell.
Der Rückweg hatte noch einige sandige Partien. Das Fahren war sehr aufregend. Ohne Führer hätten wir uns nie auch nur einen Kilometer in diese Gegend hereingewagt.