Angola 2026

05/09/2026 bis 26/09/2026

09/09/2026

Kalandula

Nach einem gemütlichen, späten Frühstück hat Senhor Lopes uns abgeholt und wir sind nach Calandula aufgebrochen. Es dauerte schon über eine halbe Stunde, um über die Weiden der Fazenda zurück zur Landstraße zu kommen. Bis in den Ort Calandula war es dann gar nicht mehr so lang. Der Ort war ähnlich desolat wie Cacuso. Wir hatten den Fahrer gebeten, zuerst in den Ort und von dort zum Aussichtspunkt zu fahren, weil wir nicht wussten, was für Wanderungen wir machen könnten und ob wir von der anderen Seite überhaupt bis dahin kommen würden.

Die Kalandula Wasserfälle waren sehr beeindruckend. Obwohl es ganz am Ende der Trockenzeit war, gab es noch eine Menge Wasser, auch wenn die halbkreisförmige Steilwand nicht komplett mit Wasser bedeckt war. Hundert Meter unter uns prasselten die Wassermassen auf einen Haufen abgesprengter Felsbrocken und erzeugten eine große Dunstwolke. Gegenüber konnten wir einsam auf der Kuppe gelegen unsere Unterkunft sehen: Den ikonischen Betonklotz der Pousada Calandula.

Um dorthin zu gelangen, mussten wir ein gutes Stück die Landstraße zurückfahren, bis wir den Fluß im Flachland auf einer Brücke überqueren konnten. Die Straße, die zur Pousada führt, ist so schlecht, dass alle versuchen neben dem löchrigen Asphalt zu fahren. Motorräder kommen da besser durch. Unser Fahrer musste sehr langsam fahren und sehr viel kurbeln.

Das Hotel war ein bisschen in die Jahre gekommen, doch der eigenwillige Betoncharme überzeugt immer noch. Aber alles war sauber und gepflegt. Unser Zimmer hatte – wie alle Zimmer – einen Balkon mit einem unbezahlbaren Blick auf die Wasserfälle. Das Haus liegt genau gegenüber und die Aussicht ist einfach fantastisch. Noch mehr bekommt man aber auf die Ohren. Das Getöse des Wasserfalls ist derart laut, dass es noch bei geschlossenen Fenstern und Türen gewaltig dröhnt. Der Vorteil ist, dass es keinen Unterschied macht, ob man die Klimaanlage an oder aus macht.

Im Garten vor dem Hotel fängt eine Treppe an, die bis herunter zum Fluss führt. Nach drei Stufen hatten wir eine Eskorte von ein paar abgerissenen Typen, die uns zeigen wollten, wie man eine Treppe heruntergeht. Das lässt sich hier kaum vermeiden.

Das Hotel hat ein schönes Restaurant – natürlich mit derselben fantastischen Aussicht wie die Zimmer. Wir hatten beim Bestellen etwas übertrieben und uns dann noch eine Suppe aufschwatzen lassen. Danach sind wir schwer ins Bett gefallen und haben uns vom monotonen Brummen des Wasserfalls in den Schlaf lullen lassen.

10/09/2026

Senhor Lopes hatte sich in der Planung dieses Tags an den Wasserfällen selbst übertroffen. Zuerst dachten wir eigentlich, dass er gar nicht arbeiten würde, da wir ihn ja als Fahrer engagiert hatten. Aber er war ein zu guter Guide um es beim Fahren zu belassen. Zuerst ist er vom Städtchen aus, wo er genächtigt hat, zu Fuß über Pfade oberhalb des Wasserfalls gekommen, um schon mal die Lage zu sondieren.

Dann sind wir mit ihm und einem lokalen Führer, einem winzigen jungen Mann mit Spongebob-Stimme und Blaumann, der ununterbrochen plapperte (nicht mit uns), nochmal die Treppe zum Fluss hinuntergestiegen. Mit einem Ruderboot wurden wir über den Fluss gebracht und konnten so seitlich zum Fuß des Wasserfalls gehen. Je nach Windrichtung gab es eine kurze Dusche. Wenn man weiter in der Regenzeit ist, kann man dort wahrscheinlich nicht mehr stehen. Der Kleine hatte sich als guter Handy-Fotograf entpuppt. Eine Fähigkeit, die Senhor Lopes oft in Anspruch nahm, um Material für seine Facebook-Seite zu produzieren.

Zurück an unserer Seite des Flusses sind wir über einen längeren aber weniger steilen Weg zurück zum Hotel gelaufen. Von dort aus führte ein Pfad zum Oberlauf des Flusses. Unsere Karawane hatte sich unterwegs um zwei gelangweilte Jungs vergrößert, die uns mit Zeigen auf den Wasserfall behilflich waren. Recht schnell kamen wir an einen Aussichtspunkt, von dem aus wir den rechten Teil des Wasserfalls viel besser sehen konnten. Statt über eine senkrechte Wand fällt das Wasser dort in malerisch bewachsenen Stufen in die Tiefe – ein kleines Iguazu in Angola.

Der Pfad ging weiter in den Dschungel. Wir sind über Wurzeln und Steine gelaufen, bis wir an den Fluß kamen. Mit nackten Füßen sind wir vorsichtig durchs Wasser gewatet oder über festgeknotete, dünne Baumstämme balanciert. Von dort kamen wir auf nackte Felsen direkt über den senkrechten Klippen, und konnten den Wasserfall aus nächster Nähe sehen. Später in der Regenzeit kann man dort nicht mehr hin. Es dauerte gar nicht lange, und wir waren auf der anderen Seite des Wasserfalls angekommen, die vom Hotel aus unerreichbar wirkte. Mit dem Auto wären das 35km Schlaglochpiste gewesen.

Senhor Lopes hatte schon telefonisch für uns Motorrad-Taxis organisiert. Kurz nach unserer Ankunft kamen drei Jungs auf ihren Motorrädern angefahren, und schon saßen wir hinten auf ihren chinesischen „Keweseki“-Maschinen (nicht mit der japanischen Kawasaki zu verwechseln). In der Hitze des Nachmittags war es herrlich über die leeren Landstraßen zu brettern. Erst als wir auf einen kleinen Feldweg abbogen, wurde klar, warum Lopes das nicht mit seinem Auto machen wollte.

Wir sind dann noch eine Ewigkeit auf der furchigen Piste durchgeschüttelt worden, bis wir zum kleinen Wasserfall Quedas do Musseleje. Ein paar einheimische Kinder haben dort geplantscht. Wir mussten uns vom eigentlichen Highlight, der Moto-Tour, erholen. Der Rückweg dauerte auch wieder eine gute Stunde, war aber kurzweilig. Unsere Fahrer hatten großen Spaß daran, mit uns durch die Dörfer zu brettern. Zwischendurch überholte uns eine weitere Keweseki mit zwei Männern und einem Schwein.

Zum Abschluss hatte Senhor Lopes noch einen weiteren Kniff parat. Wir wussten nicht, wie wir vom Ort zum Hotel kommen würden und befürchteten schon eine weitere Stunde auf den Motos. Aber in der Nähe des Aussichtspunkts auf der Stadtseite gibt es einen kleinen Pfad, der im großen Bogen durch den dichten Wald nach unten an den Fluss führt. Dort wartete – dank perfekter Planung – der kleine Führer und hat uns mit dem Ruderboot abgeholt, so dass wir nur noch die Treppen zum Hotel hochsteigen mussten. Mehr kann man in Kalandula nicht machen – und unmöglich an einem Tag!