07/09/2026
Nach Kahombo
Das Hotel Art House war uns schon im Vorfeld behilflich, einen Fahrer für unseren Trip nach Malenge zu organisieren. Wir hatten bei vielen Touranbietern per WhatsApp nachgefragt und hatten nur absurd teure, halbgare Angebote bekommen. Art House hat uns an den sympathischen Senhor Lopes vermittelt, der uns am Morgen abgeholt hat. Wie sich heraus stellte, sprach er leider kaum Englisch – dafür Französisch (im Kongo gelernt) und Spanisch (im Krieg von den Kubanern gelernt). Er hatte auch nicht wie erträumt einen riesigen komfortablen Jeep sondern kam in einem durchgeliebten, kleinen Suzuki. Aber sein gewinnendes Lächeln hat das wett gemacht.
Am Montagmorgen war die Innenstadt deutlich lebendiger. Überall war viel Verkehr und viele Menschen, die irgendwo hin wollten. Wir mussten wieder über die große Estrada de Catete, die zum Flughafen führt. Bei Tageslicht war es noch wilder. Der Smog über der Straße war teilweise so schlimm, dass man kaum Sicht hatte – von Atem ganz zu schweigen. An allen großen Kreuzungen gab es großes Gewusel um die schrottreifen, blau-weißen Minibusse. Alle paar Kilometer gab es Fußgängerbrücken über die sechsspurige Straße. Doch vielen war der Umweg zu weit, und sie rannten einfach zwischen den Autos, die sich mit 100km/h links und rechts überholten, über die Straße.
Luanda wächst mit großen Siedlungen ins Inland. Auf Google Maps sieht man, dass sich ein endloser Teppich von kleinen Hütten und Häuschen in einem Radius von fast 30km ausgebreitet hat. An der Hauptstraße liegen viele (chinesische) Fabriken, viele (chinesische) Autohäuser, Werkstätten, einige Riesen-Supermärkte und Baumärkte.
Kurz hinter dem Flughafen war die Straße nur noch einspurig, und der Verkehr wurde etwas weniger. Das war der Anfang vom ländlichen Angola. Ab dort gab es keine richtigen Geschäfte mehr und auf hunderte Kilometer kein einziges mehrstöckiges Haus mehr. Entlang der Straße lagen kleine Dörfer, die komplett aus Wellblech gebaut waren: Hütten, Zäune, Unterstände, Verkaufsstände – alles aus einem Patchwork bunter Wellbleche.
Auch hier waren viele Menschen unterwegs. Aber nicht mit Hemd und Rucksack wie in Luanda, sondern in zerrissener Kleidung mit Sicheln, Hacken und Macheten. Die Menschen lebten offensichtlich als Farmer, aber wir konnten von der Straße keine Felder erkennen. Die meisten haben nur kleine Parzellen im Hinterland. Sie bauen für den Eigenbedarf an und verkaufen die kleinen Überschüsse am Straßenrand, meistens Maniok, Tomaten und manchmal Obst. Überall wird auch Holzkohle produziert und verkauft. Die Szenerie erinnerte uns an Madagaskar. Es gab streckenweise auch Baobabs, die aber meist viel kleiner waren.
Die Straße war noch eine Weile gut, bis sie zu einer endlosen „temporären“ Sandpiste neben der eigentlichen Straße wurde, die gerade neu asphaltiert wurde. Unser kleiner Suzuki hat sich in dem Schlagloch-Slalom gut geschlagen. In den nächsten Stunden wurde der Weg immer schlechter und die Dörfer immer ursprünglicher.
Die Hütten sind fast immer gleich groß, etwa wie ein kleines Zimmer. Aber es gibt verschiedene Stufen der Architektur: Wände aus Wellblech oder aus selbstgebrannten Ziegeln, unverputzt oder mit Schlamm; Dach aus Wellblech oder zusätzlich mit Stroh gedeckt; Vorhang oder Tür; gar keine Fenster oder einfache Holzläden (Fenster mit Glas gibt es nur in Städten). Trotz dieser Varianz, wird in einem Dorf immer nur auf eine Weise gebaut. Die Dörfer unterscheiden sich auch in ihrem Umgang mit Müll. Mancherorts sind die Hütten von einem gleichmäßigen Teppich aus leeren Flaschen und Plastikmüll umgeben. Andere Dörfer sind makellos sauber gefegt. Überall schnofeln kleine gescheckte Schweinchen und Ziegen durch die Büsche.
Im kleinen Ort Cacuso sind wir nach Norden abgebogen und kurz darauf in das Weideland einer riesigen Rinderfarm abgebogen. Der kleine Suzuki ist über orangerote Erdpisten noch eine halbe Stunde durch die Ländereien gegurkt, bis wir endlich das Kahombo Rural Resort erreicht hatten. Wir waren selber ganz staubig und orange, als wir ausstiegen. Die Anlage besteht aus 20 wunderschön gebauten Bungalows auf dem Gelände einer alten Sisal-Fabrik, deren Maschinen noch malerisch in nahegelegenen Ruinen vor sich hin rosten. Nach etwa sieben Stunden Fahrt durch diese ursprüngliche, wenig entwickelte Gegend war dieses toll gemachte Resort kaum vorstellbar.
Nach einem Spaziergang durch den hübschen Garten der Anlage wurde es dunkelgrau am Himmel und fing an zu blitzen und zu donnern. Wir hatten es gerade rechtzeitig auf unsere Terrasse geschafft, als der erste Regen nach vier Monaten das Ende der Trockenzeit einläutete.
Beim Abendessen wurde unser Tisch derart vollgeladen, dass wir noch Gäste hätten empfangen können. Nicht nur das Rindfleisch sondern auch alles andere kam aus eigenem Anbau. Nachdem wir uns halb durch den übertriebenen Berg Fleisch gearbeitet hatten, wurden noch zwei Steaks extra gebracht. Argentinien kann einpacken. Draußen wurde ein Lagerfeuer angezündet und die Wege mit Öllampen malerisch erleuchtet. Wir waren die einzigen Gäste.