11/09/2026
Cabo Ledo
Nach der Tour im Inland wollten wir ein paar Tage zum Entspannen ans Meer. Dazu haben wir uns in Cabo Ledo südlich von Luanda absetzen lassen. Calandula war kein ganz optimaler Ausgangspunkt dafür, weil wir ganzen Weg bis Luanda zurück und dann noch weiter nach Süden mussten. Für Senhor Lopes war das ein harter Fahrtag. Für uns war es eine langweiliger Rückweg.
Am Nachmittag, als wir schon am Flughafen von Luanda vorbei waren, sind wir auf den südlichen Ring gefahren. Da waren lauter überdimensionierte, abgerockte, chinesische Möbelhäuser und Werkstätten. Dort würde man nicht erraten, dass man in Afrika ist. Dahinter ragten hohe Mietskasernen auf, alle nach derselben Vorlage gebaut. Normalerweise wäre das trist, aber für die Bewohner der Hütten-Städte ist Umzug in so eine Wohnung ein erstrebenswerter Aufstieg.
Dann ging es nach Süden über eine kleine Uferstraße. Der Verkehr wurde nach und nach dünner, die Stadt hörte allmählich wieder auf. Nach einer Weile kamen wir am Mirador da Lua vorbei. Weil wir schon so lange unterwegs waren, wollten wir nicht fragen, aber Super Lopes hat von sich aus angeboten einen Stopp zu machen. Der Mirador war wegen Bauarbeiten eigentlich geschlossen. Aber Senhor Lopes spricht die Sprache der Leute. Gegen ein Trinkgeld hat der bewaffnete Wachmann uns reingelassen. So konnten wir doch noch einen kurzen Blick auf die Mondlandschaft werfen. Es war sehr beeindruckend wie die erodierte Küste im Rot-Orange der Abendsonne leuchtete.
Es war schon fast dunkel, als wir nach etwa 10 Stunden Fahrt endlich Cabo Ledo erreichten. Über Sandpisten sind wir in der Dämmerung vorsichtig herunter zum Meer geholpert. Am Strand entpuppte sich der vermeintliche Badeort als ein einziger, großer Fischmarkt. Überall waren breite Gestelle aufgebaut, auf denen silberne Fischchen zum Trocknen abgelegt wurden. Das zog sich die ganze Straße entlang, die Hügel rauf, durchs ganze Dorf. Der Strand war voll belegt von endlosen Fischtrockengerüsten, so weit das Auge reichte – dazwischen Wellblechhütten, Müll, wildes Gewusel.
Am Ende der Bucht war der Eingang zum QPoint Resort. Das war groß und sauber und hübsch angelegt. Aber der Fischgeruch konnte von dem Tor nicht aufgehalten werden. Dort haben wir uns vom netten Senhor Lopes verabschiedet und einen großen Bungalow direkt am Meer bezogen.
12/09/2026
Nach dem Frühstück haben wir einen Spaziergang durch den apokalyptischen Fischmarkt gemacht. Der Dreck und Gestank war im ersten Moment atemberaubend. Aber es war sehr spannend einfach mitten durch das Geschehen zu laufen – als wäre man in eine Reportage gestolpert. Fotos konnten kaum auffangen, wie irre die Szenerie dieser Millionen von trocknenden Fische war. Am Strand war immer eine große Menschentraube – meistens Frauen, die auf die Boote warten. Im Wasser lagen viele Boote, die nach und nach auf den Strand gezogen und dort entleert wurden. Die Frauen trugen die Fische in großen Plastikwannen auf dem Kopf und brachten sie zu den Gerüsten, um sie auszunehmen und zum Trocknen auszulegen. Als wir später nochmal vorbeikamen, kam ein Mädchen mit einer Wanne auf dem Kopf zum Wasser und hat einen Haufen Fischeingeweide direkt vor uns ins die Brandung gekippt.
Am südlichen Teil der Bucht lagen die anderen Unterkünfte. Der Strand war dort etwas breiter und besser zum Baden und der Wind schien den Fischgeruch in die andere Richtung (zu unserem Hotel) zu tragen. Wir sind eine Stunde lang bis ans Ende der großen Bucht am Strand entlang laufen. Dort ist die Surfer-Ecke, für die Cabo Ledo berühmt ist. Tatsächlich waren einige einheimische Jungs in den Wellen unterwegs.
14/09/2026
Den Morgen hatten wir noch höchst entspannt vor unserem Bungalow am Strand verbracht. Wir hatten beim Hotel für 13 Uhr einen Fahrer zum Flughafen bestellt. Der Fahrer kam aber nicht. Erst hieß es, es würde noch 10 Minuten dauern. Nach einer halben Stunde kam er auch nicht. Dann sollte es noch eine Stunde dauern. Damit hätten wir unseren Flug verpasst. Der einzige hilfreiche Mitarbeiter von der Rezeption ist dann zu Fuß ins Dorf los, um jemand anderes mit einem Auto zu organisieren.
Nach einer angespannten Weile kam ein fröhlicher Mann in einem schrottreifen Auto. Der sollte uns schon mal ein Stückchen fahren um unterwegs den verspäteten Fahrer zu treffen. Wir haben das richtige Auto dann an einer Tankstelle (merken!) getroffen und sind schnell umgestiegen. Wir sind gut durchgekommen und waren vorsichtig optimistisch – bis der Fahrer in Luanda plötzlich abbog und sagte, dass er tanken müsse!? Es musste auch ausgerechnet eine Tankstelle sein, die mehrere Kilometer abseits der Strecke lag. Dort war natürlich eine lange Schlange an der Zapfsäule. Die Ankunftszeit laut Navi war auf fünf Minuten vor Schalterschluss geschrumpft. Da haben wir auf Krawall geschaltet, bis der Fahrer es geschafft hatte, sich an der Motorrad-Schlange vorzudrängeln. Nach diesem unsinnigen Umweg ist er wild über alle Spuren gekesselt und hat noch ein paar Minuten rausgeholt. Wir kamen zehn Minuten vor Schalterschluss (und zehn Sekunden vor Herzinfarkt) an.
Der Flughafen war dagegen das reinste Meditationszentrum: Neu, elegant, komplett leer und ohne Warteschlangen. Nach einem kurzen Flug sind wir wider Erwarten in Lubango angekommen.